Wo das S-Bahnbündnis Ost zu kurz springt!

Wenn man sich, wie das S-Bahnbündnis Ost, so vehement für den viergleisigen Ausbau der Strecke München-Riem - Markt-Schwaben einsetzt, sollte man auch wissen, welche Folgen der Ausbau für Fahrgäste und Bürger hat. Dabei wäre es von großem Nutzen neutrale Fachleute an seiner Seite zu wissen. Sonst wird das ganze Unterfangen nur ein einziger Murks.

Dass die Strecke zwischen Riem und Markt-Schwaben 4 gleisig ausgebaut werden muss, ist für jeden Insider seit Jahren unstrittig. Die Gründe dafür sind aber sehr viel komplexer, als das Bahnbündnis dies sieht. Zum einen gehört die Strecke München – Mühldorf – Freilassing - Salzburg zur zukünftigen Magistrale Paris-Budapest, auf der Hochgeschwindigkeitszüge verkehren sollen, zum anderen wird weiterhin der der Nahverkehr und der Güterverkehr aus dem Chemiedreieck abzuwickeln sein. Mit Fertigstellung des Brennerbasistunnels muss man davon ausgehen, dass noch zusätzlich viele Güterzüge die Strecke Rosenheim – Mühldorf - München benutzen werden. Die Strecke Rosenheim – Mühldorf soll und muss vor Fertigstellung des Brennerbasistunnels ausgebaut werden.

Die Bahnverbindung  München- Markt-Schwaben - Mühldorf wird eine stark belastete Hauptstrecke mit regem 24 Stunden Verkehr.

 

Deshalb ist es äußerst wichtig, neben dem 4gleisigen Ausbau auch einen wirksamen Lärmschutz zu fordern. Darüber verliert das Bündnis bisher nicht ein Wort.

 

 

Die einzig wirksame und auch finanziell machbare Lösung ist die  Einhausung großer Abschnitte der Bahntrasse zwischen Riem und Markt Schwaben[1]. Diesen Lärmschutz müsste das Bündnis jetzt fordern, weil bereits die Planung der Trassenverlegung davon abhängig ist.  Nur mit der Einhausung  bleibt die Wohn- und Lebensqualität in den Orten Feldkirchen, Kirchheim, Poing und Markt-Schwaben erhalten.

Weiter gilt es zu bedenken, dass die S2 auch nach der Anbindung an den Flughafen zwischen Erding und Markt-Schwaben nicht zweigleisig ausgebaut wird. Dadurch bleibt beim zukünftigen 20 Minutentakt auf der gesamten S2 die Einhaltung des Fahrplans weiterhin schwierig. Die Unpünktlichkeit auf eingleisigen S-Bahnstrecken ergibt sich zwangsläufig.


Die Vorstellungen des Bündnisses, die S2 an die Messe anzubinden, nutzt zwar dem Kirchheimer Hotel und Gastgewerbe, widerspricht aber dem Wunsch der Pendler und aller anderen Fahrgäste,  möglichst schnell in die Innenstadt zu kommen. Die Fahrzeit würde sich um 4 Minuten verlängern.

 

Für die wenigen großen Messetage im Jahr ist die Anbindung an die Messe finanziell nicht vertretbar, zumal das Ausstellungsgelände mit der U-Bahn optimal an den ÖPNV angeschlossen ist.

Die U-Bahn hat 2 Haltestellen am Messegelände: Messe Ost und Messe West. Die S-Bahn  hätte nur eine Haltestelle ohne Anschluss an die U-Bahn. In Zukunft  wird das Messegelände auch durch die Express-S-Bahn auf der S8 Trasse sehr viel schneller vom Flughafen aus erreicht werden.

Die Messebesucher aus  dem Osten, die ohne Auto anreisen wollen,  können heute schon den Regionalzug benutzen, der von Markt-Schwaben nach München-Ost ohne Halt durchfährt (Fahrzeit ganze 14 Minuten) und dort in die U-Bahn umsteigen. 

 

 

Sinnvoll, hingegen, ist die Verlängerung der U-Bahn von der Messestadt Ost nach Feldkirchen, S-Bahnhof. Das würde für alle Fahrgäste der S2 wirklich von Vorteil sein, auch Messebesucher können davon profitieren. Vor allem aber ist der Ausbau der U-Bahn nach Feldkirchen billiger, als der Ausbau der S-Bahn über das Messegelände.

 

 

 

 

Das Bündnis sollte sich jetzt schon überlegen, ob es nicht vernünftig wäre, möglichst bald die Bürger und deren politischen Vertretungen in den Gemeinden entlang der neuen Bahntrasse  an den bevorstehenden Planungen zu beteiligen. Das ist zum Beispiel in Erding, wegen des Ausbaus der S- Bahn und des Fernverkehrs dort, schon lange passiert.  Allerdings erst nach der Gründung einer Bürgerinitiative. In Ismaning und Unterföhring haben es die Bürger, die leider auch dort erst sehr viel später von den Politikern unterstützt worden sind, sogar geschafft, nur eine schlichte S-Bahnlinie in ihren Ortsgebieten unterirdisch zu verlegen. Die Politiker des Bündnisses  Ost  haben jetzt die Möglichkeit, der Bevölkerung zu zeigen,  wie man einen optimalen Lärmschutz an einer neuen Bahntrasse durchsetzt, bevor die Bürger auf die Barrikaden gehen müssen. So könnte ein Vorzeigemodell nicht nur für heute entstehen, sondern für zukünftige Generationen, die in den Gemeinden entlang der neuen Bahntrasse leben wollen oder leben müssen.

Hans-Hermann Lüdorf

 



[1] Mehr Details siehe AK-Verkehrskonzept: Verkehrskonzept für Kirchheim bei München, S.22 http://ak-85551-verkehrskonzept.de/verkehrskonzept.html

 

Andere Gemeinden an der Bahnstrecke München-Mühldorf sind schon aufgewacht und tun was!

von W. Gerstenberger

 

Zu erwarten ist, dass in einigen Jahren sich die Zahl der Güterzüge, die nachts durch Heimstetten fahren, mindestens verfünffachen wird. Die Lärmbelastung wird also auf längere Sicht massiv zunehmen. Die Arbeitsgruppe Verkehrskonzept hat vorgeschlagen, darauf zu dringen, dass die DB die dann vierspurigen Bahntrasse einhaust. 

 

 

Die Einhausung ist verwandt mit der Trog- Lösung. In beiden Fällen wird der Schienenweg tiefer gelegt als das Straßennetz in den Kommunen. Beide Alternativen für den Lärmschutz konkurrieren im Fall des Neubaus von zusätzlichen Gleisen mit Lärmschutzwänden, welche die Eisenbahn zum Schutz der Anrainer der Bahnlinie errichten muss.

 

 

In Kirchheim und selbst im Ortsteil Heimstetten scheint sich niemand außerhalb des Arbeitskreises dafür zu interessieren, was hier für die Lebensqualität in der Gemeinde droht. Ein Aufruf in www.mitmach-gemeinde.de eine Lobbygroup für die Einhausung zu bilden, ging komplett ins Leere. Dabei ist allgemein bekannt, dass, wenn man die Ausgestaltung von großen Infrastrukturprojekten beeinflussen will, nur dann eine Erfolgschance besteht, wenn man sich in der frühen Planungsphase einschaltet.

Während also Kirchheim schläft, sind in anderen Gemeinden entlang der Bahnlinie München – Mühldorf die Bürger schon aufgewacht und betreiben umfangreiche Lobbyarbeit für eine bürgerfreundliche Lösung. So hat sich in Dorfen die Bürgerinitiative „Bahnausbau ohne Mauern und Schranken“( www.bahnausbau.de) gebildet. Sie hat 4000 Unterschriften für die bürgerfreundliche Trog-Lösung gesammelt und mehr

AK-85551-Verkehrskonzept
WGerstenberger@t-online.de