Bahnhof Heimstetten – ein Blick in die Zukunft

von Wolfgang Gerstenberger

Was ist in der Planung?

Am Bahnhof Heimstetten wird sich in den nächsten 15 Jahren einiges tun. Die Deutsche Bahn wird den S-Bahnhof Heimstetten bis 2018 barrierefrei umbauen. Spätesten bis 2030 wird die Bahnstrecke Marktschwaben-Mühldorf-Freilassing zweispurig ausgebaut sein.

 

 

Dann werden wesentlich mehr Züge Heimstetten passieren.

Das S-Bahnbündnis Ost (Messegesellschaft, Gemeinden entlang der Strecke) setzt sich für den viergleisigen Ausbau der Strecke München-Riem - Markt Schwaben ein. Die Strecke viergleisig auszubauen ist zum einen notwendig um einen 10-Minuten-Takt der S2 zu ermöglichen. Deshalb engagieren sich die Gemeinden im Bündnis. Die Messegesellschaft möchte zum anderen eine direkte Anbindung des Messegeländes. Der 10-Minutentakt in Heimstetten ist auch Fall des vierspurigen Ausbaus jedoch erst möglich, wenn auch Markt Schwaben - Erding zweispurig ausgebaut oder Mühldorf ans S-Bahnnetz angebunden sein werden

In Heimstetten verdoppelt sich jedenfalls die Zahl der passierenden S-Bahnzüge. Nicht auszuschließen ist, dass dabei vom MVV nach Mühldorf oder Erding teilweise Express S Bahnen einsetzt. Diese halten in Heimstetten nicht, machen aber Lärm.

Nach 2030 kommen voraussichtlich nochmals 36 Hochgeschwindigkeitszüge (ICE, TGV) hinzu, welche die Magistrale Paris-München-Budapest bedienen. Dabei wird unterstellt, dass dann so viele Abfahrten und Ankünfte am Hauptbahnhof München wie derzeit nach Paris angeboten werden. Davon werden sechs ICE/TGV nachts (22:00 bis 5:00 Uhr) mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 320 km/h durch die Gemeinden an der Bahnstrecke München-Mühldorf rauschen.

Wie viele Züge werden durch Heimstetten fahren?

Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild:

 

 Verkehrsträger

 

Anzahl pro

Davon zwischen

24-Stunden Tag

 22 und 5 Uhr

Ist

>=2030

Ist

>=2030

Güterzüge

20

140

12

84

Nah-und Fernverkehrszüge

47

8

4

2

S-Bahn München-Marktschwaben/Mühldorf

0

120

0

20

ICE, TGV Paris-Budapest

0

36

0

6

Züge bis Mühldorf

67

304

16

112

S-Bahn – München-Marktschwaben/Erding

120

240

20

40

Züge bis Markschwaben

187

544

36

152

pro Stunde bis Marktschwaben

7,8

22,7

5,1

21,7

 http://www.lra-mue.de/pub/regionalentwicklung/infrastruktur verkehr/A94 bahnausbau

Anzahl S-Bahnen: Berechnungen des AK-Verkehr anhand der MVV-Pläne

 

Über den ganzen Tag (24 Stunden) gerechnet werden dann pro Stunde bis 23 Züge Heimstetten passieren. In den Nachtstunden werden es immer noch 21 bis 22 pro Stunde sein. Dieses Szenario markiert keinesfalls die extremste Perspektive für den Zugverkehr.

 

Ins Gewicht fallende Teile von Heimstetten sind bereits jetzt dem Schienenlärm ausgesetzt.

 

 

Nach der Lärmkartierung des Eisenbahnbundesamtes (EBA) sind in Kirchheim und seinen Nachbargemeinden während der Nacht viele Einwohner vom Schienenlärm betroffen.

Nachtlärmindex (db(A)

Anzahl belasteter Einwohner

Feldkirchen

Kirchheim

Poing

45 < Lnight = 50

1550

1660

3190

50 < Lnight = 55

400

540

610

55 < Lnight = 60

140

180

330

60 < Lnight = 65

110

100

120

65 < Lnight = 70

30

30

50

Lnight > 70

10

10

30

https://www.eba.bund.de/DE/HauptNavi/Umwelt/Umgebungslaermrichtlinie/Laermkartierung/Kartendienst/kartendienst_node.html

Viele Züge machen mehr Lärm

2030 und später werden wegen der dramatischen Zunahme der Frequenz des Zugverkehrs die Lärmemissionen deutlich zunehmen. Wegen der vielen Güterzüge im Nachtverkehr wird sich der Lärmpegel auch erhöhen. Es werden deshalb sicher mehr Einwohner den höheren Werten des Nachtlärmindexes ausgesetzt sein als derzeit. Die gesundheitlichen Schäden von Nachtlärm stehen außer Frage.

Auf längere Sicht strebt die Bahn an auf den existierenden Strecken die nächtlichen Bahngeräusche für Anwohner auf höchstens 60 dB(A) zu reduzieren. Dies entspricht immer noch der Lautstärke eines Pkws, der in 10 Meter vorbeifährt. Trotz Umrüstung auf LL-Sohlen werden die Lärmemissionen durch Güterzüge hoch bleiben, da es nicht nur auf die Rad-Schienen-Geräusche, sondern auch auf Kurvenquietschen und die aerodynamischen Geräusche ankommt. Unverzichtbar ist deshalb ein wirkungsvoller Lärmschutz durch bauliche Maßnahmen.

Welche baulichen Lärmschutzmaßnahmen bietet die Bahn an?

Eine Minderung des Schienenlärms kann durch Baumaßnahmen am Gleisbett erreicht werden. Ein Schotterbett statt fester Fahrbahn wirkt aufgrund seiner porösen Struktur als Schallabsorber. Den wirksamsten Schutz wird geboten, wenn die Gleise in Trögen (auch mit Deckel möglich) sowie ganz oder teilweise unterirdisch in Tunnels geführt werden.

Schallschutzwände entlang der ebenerdigen Gleise absorbieren Schall und vermindern dessen Ausbreitung. Je näher sie am Fahrweg aufgestellt werden und je höher sie sind, desto wirksamer ist diese Maßnahme. Schließlich kommt noch der Einbau von Schallschutzfenstern in Frage. Schlafen bei offenem Fenster geht aber dann nicht mehr. Die folgende Abbildung zeigt das Arsenal der von DBNetz eingesetzten Schallschutzmaßnahmen.

 

Aus Kostengründen bevorzugt die Bahn niedrige Lärmschutzwände. Diese sind jedoch wenig wirksam. Nach Wegfall des Schienenbonus (bislang wurde Schienenlärm um 5 Dezibel "besser" beurteilt als z. B. Straßenlärm) werden die niedrigen Lärmschutzwände und die Gabionen noch weniger oft den Anforderungen des Lärmschutzes für die Anwohner genügen.

 

 

 

Der Bau von 4 m hohen Lärmschutzwänden wird deshalb wohl zum Normalfall werden. Diese Wände tragen nicht gerade zur Verschönerung der Orte an den Neu- oder Erweiterungsbaustrecken bei. Beim vierspurigen Ausbau der Strecke München-Ost - Markt Schwaben würde es in Heimstetten an der Unterführung der Feldkirchner Straße oder der Bahnhofstraße so aussehen wie an der Unterführung in Ampfing.

 

 

Die wirksamste Lärmschutzmaßnahme, nämlich die Führung der Bahnstrecke in einem Trog durch die Ortschaften, erwähnt die Bahn jedenfalls in Ihrem Bild der Maßnahmen nicht. Dies überrascht kaum, da dies die teuerste Variante ist. Mit Hinweis auf das Gebot der Wirtschaftlichkeit sträubt sich die Bahn in der Regel gegen diese Variante

Die Kosten lassen sich nur im konkreten Fall genauer bestimmen. Nach Angaben der DB fallen im Schnitt für einen 3,5 m tiefen Trog Kosten in Höhe von 30 Mio. € pro km an.Der ebenerdiger Ausbau kostet 20 Mio. € pro km.

Im Interesse der Bürger ist die Führung der Strecke in einem Trog auf jeden Fall. Dies vermeidet nicht nur die Zerschneidung des Landschaftsbildes, sondern bietet auch die Möglichkeit den Trog mit einem Deckel zu versehen. Dann wäre nicht nur der höchstmögliche Lärmschutz für die Bürger erreicht, sondern die Kommunen bekämen zusätzliche Flächen für Grünanlagen und Park & Ride Parkplätze. Die Gemeinden müssten dann aber auch einen Beitrag zur Finanzierung der Zusatzkosten durch den Trog-Deckel leisten. Ismaning hat dies getan. Dort kann auch das ansprechende Ergebnis besichtigt werden.

Was ist zu tun?

Beim S-Bahn Bündnis Ost hat bisher die Art des Lärmschutzes keine Rolle gespielt. In dem vom Bündnis vergebenen Gutachten zum Nutzen des vierspurigen Ausbaus der Strecke München Ost und Marktschwaben soll aber auch auf dieses Thema eingegangen werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich das S-Bahn-Bündnis Ost (der Kirchheimer Bürgermeister zählt zu den Sprechern) für Trog Lösungen in den Gemeinden einsetzen wird.

Hinzuweisen ist darauf, dass der die von der Messegesellschaft gewünschte, direkte Anbindung an das Messegelände eigentlich nicht im Interesse der Kirchheimer S-Bahn-Nutzer ist. Die S2 würde dann nach Feldkirchen an der Messe halten und ohne Möglichkeit zum Umstieg auf die bestehenden U-Bahn-Linie in einem Bogen zurück nach Riem auf die bisherige Trasse fahren. Die Fahrzeit von Heimstetten zum Leuchtenbergring würde sich um vier Minuten verlängern (weitere Kritikpunkte).

Der Arbeitskreis Verkehrskonzept hat sich an dem Netzwerk "Portal gegen Schienenlärm" (http://www.schienenlaerm.de) beteiligt und arbeitet an dem Aufbau von Kontakten zu Bürgerinitiativen gegen den Schienenlärm entlang der Ausbaustrecke Markt Schwaben - Mühlheim.

Die betroffenen Bürger in Feldkirchen, Heimstetten und Poing sind noch der Phase „Ach bis das kommt, bin ich längst tot“, die bei Bauprojekten typisch ist, die erst weit in der Zukunft realisiert werden. Dabei müsste im Eigeninteresse (Werterhaltung des Gründstücks) wie im Interesse der Kinder und Enkel jetzt Einfluss auf die Planungen genommen werden, ehe diese beschlossen und festgeschrieben sind.

Wenn die Heimstettner bestmöglichen Lärmschutz und nicht eine Wand als Horizont haben wollen, wäre es an der Zeit, dass sich die vom Schienenlärm betroffenen Einwohner zu einer Bürgerinitiative "Bahn in den Trog" zusammenfinden, um den Interessen der Anwohner bei den anstehenden Entscheidungen von Politik und Bahn Gehör zu verschaffen. Die Einbeziehung von betroffenen Bürgern aus Feldkirchen und Poing wäre anzustreben oder gleichgesinnte Initiativen in diesen Gemeinden anzustoßen.

Bürger Heimstettens engagiert Euch! Eure Kinder und Enkel werden es Euch vielleicht danken. Auf jeden Fall können sie Euch dann nicht wegen Untätigkeit verfluchen.

 Ein Blick in die Zukunft Heimstettens Download

 

AK-85551-Verkehrskonzept
WGerstenberger@t-online.de